Kurz gesagt: Es gibt keine pauschal richtige Antwort - aber es gibt klare Muster. Eine Agentur (typisch 110-180 €/h) lohnt sich, wenn du gleichzeitig Design, Marketing, Redaktion und Entwicklung brauchst oder ein Großprojekt mit vielen parallelen Gewerken planst. Ein Freelancer (typisch 65-120 €/h) ist die bessere Wahl bei konkreten technischen Aufgaben: Plugins, Migrationen, Performance, laufende Betreuung. Und die dritte Option kennt kaum jemand: beides kombinieren - genau so arbeite ich selbst regelmäßig mit Agenturen zusammen.

Vorweg: Ich bin nicht neutral - aber ehrlich

Ich bin Shopware Freelancer, dieser Artikel hat also eine Perspektive. Gleichzeitig arbeite ich seit Jahren mit Agenturen zusammen, als externer Entwickler in deren Projekten - ich kenne beide Arbeitsmodelle von innen. Und ich schicke selbst regelmäßig Anfragen weiter, wenn eine Agentur die bessere Wahl ist. Genau diese Fälle findest du hier.

Wann eine Agentur die richtige Wahl ist

  • Du brauchst viele Gewerke gleichzeitig: Shop-Design, Markenauftritt, SEA-Kampagnen, Content-Produktion und Entwicklung aus einer Hand. Das kann ein Einzelner nicht seriös leisten.
  • Dein Projekt ist zu groß für eine Person: Ein Relaunch mit 6 Monaten Laufzeit und mehreren parallelen Entwicklungssträngen braucht ein Team mit Redundanz.
  • Du brauchst vertraglich zugesicherte Verfügbarkeit mit SLAs, Urlaubsvertretung und Eskalationswegen - eine Agentur kann Personalausfälle abfedern, ein Freelancer nicht.
  • Du willst Verantwortung komplett abgeben und bezahlst gern für Projektleitung, die dir Koordination abnimmt.

Der Preis dafür: höhere Stundensätze (Projektleitung, Vertrieb und Verwaltung zahlen mit), mehr Kommunikationsebenen und die Realität, dass dein Ticket intern durch mehrere Hände geht, bevor jemand Code schreibt.

Wann ein Freelancer die bessere Wahl ist

  • Konkrete technische Aufgaben: ein Plugin, eine Migration, ein Performance-Problem, eine Schnittstelle. Klarer Umfang, direkter Weg.
  • Laufende technische Betreuung eines bestehenden Shops - Updates, Fehleranalyse, Weiterentwicklung. Hier zählt, dass eine Person dein Setup wirklich kennt, statt dass wechselnde Team-Mitglieder sich immer neu eindenken.
  • Budget-Effizienz: Du bezahlst nur Entwicklung. Bei mir sind das 95 € pro Stunde - ohne Agentur-Aufschlag. Wichtiger als der Satz ist aber die Rechnung dahinter: Ein erfahrener Entwickler löst in 2 Stunden, wofür ein Junior im Agentur-Team 8 braucht.
  • Direkte Kommunikation: Du sprichst mit der Person, die den Code schreibt. Keine stille Post über Projektleiter.

Die ehrlichen Nachteile: Ein Freelancer skaliert nicht beliebig, ist mal im Urlaub und deckt nicht jedes Gewerk ab. Wer dir als Einzelperson „Full-Service wie eine Agentur" verspricht, überverkauft sich.

Die unterschätzte dritte Option: kombinieren

Das Modell, das in der Praxis oft am besten funktioniert: Agentur für Design und Marketing, Freelancer für die technische Umsetzung oder Spezialthemen. Viele meiner Projekte laufen genau so - eine Agentur holt mich für Plugin-Entwicklung, Migrations-Altlasten oder Performance-Analysen dazu, weil sich Spezialisierungstiefe für sie intern nicht lohnt. Für dich als Händler heißt das: Du musst nicht entweder/oder entscheiden, sondern kannst das Beste aus beiden Welten kombinieren - wichtig ist nur, dass die Verantwortlichkeiten klar geregelt sind.

Die Entscheidungshilfe in drei Fragen

  1. Brauchst du mehr als Technik? (Design, SEA, Content) → Agentur oder Kombination.
  2. Ist dein Projekt eine Person groß? Plugins, Migration, Betreuung, Optimierung → Freelancer. Monatelanger Relaunch mit fünf Baustellen → Agentur.
  3. Wie wichtig ist dir direkter Draht zum Entwickler? Wenn du schon mal drei Wochen auf die Antwort zu einer technischen Frage gewartet hast, kennst du den Wert.

Und egal wie du entscheidest: Lass dir Referenzen zeigen, kläre, wer tatsächlich an deinem Projekt arbeitet, und miss beide Optionen am selben Maßstab - nicht am Stundensatz, sondern an dem, was am Ende pro investiertem Euro funktioniert.