Kurz gesagt: Shopware 6.7.9.0 (16. April 2026) ist ein Release mit klarer Prioritätenliste: Der Widerrufsbutton ist Pflichtprogramm mit Deadline, das per Feature-Flag aktivierbare JSON-LD ist der unterschätzte SEO-Gewinn, Product Bundles (ab Evolve) und der Copilot-Chatverlauf sind nützlich für die jeweilige Zielgruppe - und der Agentic-Commerce-Sales-Channel wurde auf 6.7.10 verschoben. Hier mein Relevanz-Check statt reiner Feature-Aufzählung.

Pflichtprogramm: der Widerrufsbutton

Das wichtigste Feature zuerst, weil es das einzige mit gesetzlicher Deadline ist: Ab dem 19. Juni 2026 müssen B2C-Shops einen elektronischen Widerrufsweg anbieten. 6.7.9 liefert dafür das native Widerrufsformular über Erlebniswelten - inklusive Backport auf 6.6. Warum das mehr Arbeit ist als „Formular aktivieren", habe ich im Widerrufsbutton-Artikel im Detail beschrieben. Wenn du nur ein Thema aus diesem Release mitnimmst: dieses.

Der unterschätzte Gewinn: JSON-LD per Feature-Flag

Fast unter dem Radar: 6.7.9 bringt Unterstützung für strukturierte Daten im JSON-LD-Format, aktivierbar per Feature-Flag. Bisher lieferte die Storefront Microdata - JSON-LD ist das Format, das Google bevorzugt und das KI-Systeme deutlich zuverlässiger auswerten.

Meine Einschätzung: Für Shops, die auf Sichtbarkeit angewiesen sind (also alle), ist das der eigentliche Geheimtipp des Releases. Feature-Flags heißen zwar „auf eigene Verantwortung testen" - aber genau dafür gibt es Staging-Umgebungen. Wer sich für Suchmaschinen und KI-Suche sauber aufstellen will, sollte das Flag evaluieren, statt auf die Standard-Aktivierung zu warten.

Nützlich mit Zielgruppe: Bundles, Copilot, CAD-Konvertierung

  • Product Bundles (Evolve-Plan und höher): kuratierte Produktsets nativ statt über Drittanbieter-Plugins. Wer heute ein Bundle-Plugin mit Wartungsschmerzen betreibt, bekommt hier einen Migrationskandidaten. CE-Nutzer gehen leer aus - Bundles bleiben dort Plugin-Territorium.
  • Copilot-Chatverlauf (Shopware Intelligence): Frühere Konversationen sind jetzt in der Oberfläche abrufbar. Klingt klein, macht den Assistenten im Alltag aber erst wirklich brauchbar - Kontext ist bei KI-Werkzeugen alles.
  • CAD-zu-3D-Konvertierung: CAD-Dateien werden zu web-tauglichen .glb-Modellen (kostenlos 1×/Monat, unlimitiert mit Intelligence+ oder kommerziellen Plänen). Nische - aber für Hersteller mit technischen Produkten ein echtes Differenzierungsmerkmal.
  • ZUGFeRD für Storno und Gutschriften: Elektronische Belege jetzt auch für die Nach-Bestell-Szenarien. Unspektakulär, aber für die Buchhaltung deiner Kunden relevant - und passt zum E-Rechnungs-Trend.

Für CE-Nutzer wichtig: GMV-Erhebung wird automatisiert

Ab 6.7.9 wird das GMV-Reporting-Tool bei Community-Edition-Shops (mit akzeptierten AGB v3.2+) automatisch installiert. Das ist die technische Konsequenz aus der Fair Usage Policy: Shopware verlässt sich nicht mehr auf Selbstauskunft. Wer in der Nähe der 1-Mio.-€-Grenze liegt, sollte das Thema jetzt aktiv angehen - wie die Erhebung genau funktioniert, habe ich im Fair-Usage-Artikel beschrieben.

Zukunftsmusik: Nexus Beta und der verschobene Agentic-Commerce-Kanal

Shopware Nexus startet als Beta - eine visuelle, event-getriebene Schicht für Workflows und Integrationen zwischen Shopware und externen Systemen. Die Idee ist gut (Integrationen sind in fast jedem Projekt die teuerste Baustelle), aber Beta heißt Beta: anschauen ja, produktiv einplanen nein.

Der angekündigte Agentic-Commerce-Sales-Channel für KI-Produktfeeds wurde auf 6.7.10 verschoben, ebenso das Open-Graph-Daten-Management. Kein Beinbruch - aber ein guter Hinweis darauf, Roadmap-Ankündigungen erst dann in Projektpläne zu übernehmen, wenn sie tatsächlich ausgeliefert sind.

Mein Fazit

6.7.9 ist ein Release mit ungewöhnlich klarer Handlungsreihenfolge: Erstens Widerrufsbutton umsetzen (Deadline!). Zweitens JSON-LD auf Staging testen. Drittens prüfen, ob Bundles ein bestehendes Plugin ablösen können. Alles andere ist Beobachtungsliste. Und wie immer gilt: Ein Release, das du nicht einspielst, hat null Features.