Kurz gesagt: Shopware baut sein Content-System grundlegend um: Layouts sollen künftig als Daten (Content API) statt als Twig-Markup definiert werden, die technische Grundlage - Storefront-Komponenten auf Basis von Twig UX Components - ist mit 6.7.11 bereits ausgeliefert, und ein neuer Page Builder ist in der Discovery-Phase. Wichtigste Botschaft für alle mit Update-Trauma: Nichts Bestehendes wird gebrochen - Erlebniswelten und neues System sollen lange koexistieren. Kundenseitige Features kommen voraussichtlich nicht vor 2027.
Warum Shopware das Content-System neu denkt
Die Erlebniswelten waren 2019 ein großer Wurf - aber das Feedback aus Jahren Praxis ist deutlich, und ich kann jeden Punkt aus Projekten bestätigen:
- Händler wollen echtes WYSIWYG, mehr Elemente, mehr gestaltbare Bereiche (Header, Footer, ganze Seitentypen) und Publishing-Workflows.
- Entwickler kämpfen mit der Erweiterbarkeit: Eigene CMS-Elemente brauchen Admin-Komponenten, Template-Anpassungen sind bei Upgrades notorisch brüchig - der TCO-Dauerbrenner.
Die Antwort ist konzeptionell radikal: Layout wird zu Daten. Statt Twig-Blöcken mit eingebetteter Geschäftslogik beschreibt künftig eine Datenstruktur (frei verschachtelbare Elemente), wie eine Seite aufgebaut ist. Das Frontend - klassische Storefront, Composable Frontend, was auch immer - rendert diese Daten.
Was das Daten-Modell wirklich bedeutet
Drei Konsequenzen finde ich bemerkenswert:
- Upgrades werden billiger. Daten migrieren ist planbar; verstreute Template-Overrides reparieren ist es nicht. Genau da blutet heute jedes größere Shopware-Update.
- Frontend-Freiheit ohne Neuaufbau. Ob die Diskussion „Twig oder React oder Vue" - sie wird zweitrangig, wenn das Layout in Daten lebt. Jedes Frontend, das die Daten lesen kann, kann den Shop rendern.
- KI-Kompatibilität by Design. Einer Datenstruktur kann man einem KI-Modell beibringen; verschachtelten Twig-Overrides nicht. Shopware sagt das offen: Das Daten-Modell ist auch eine Vorbereitung auf KI-gestützte Content-Erstellung - der Bogen zu Experience Studio vom SCD ist offensichtlich.
Dazu kommen handfeste Features im Konzept: Layout-Teile als geteilte Referenzen (einmal ändern, überall aktualisiert - einer der ältesten Feature-Wünsche), das bewährte Daten-Mapping (Layout einmal bauen, tausenden Produkten zuweisen) und komplette Store-Layouts inklusive Header und Footer pro Sales Channel - konfigurierbar ohne Code.
Was schon da ist: die Storefront-Komponenten aus 6.7.11
Das ist kein reines Zukunftskonzept: Der Unterbau ist mit 6.7.11 ausgeliefert und heute nutzbar - auch außerhalb des kommenden Content-Systems, in ganz normalen Templates:
- Twig UX Components mit klarer Public API: Properties rein, definiertes Markup raus, Slots als Erweiterungspunkte - statt „irgendeinen Block überschreiben und hoffen".
- JS- und SCSS-Handling pro Komponente mit Vite-Build und automatischem Laden: Das JavaScript einer Komponente wird nur geladen, wenn sie tatsächlich auf der Seite gerendert wird (natives ES-Module-Loading mit Import Map).
- Ende der Laufzeit-SCSS-Kompilierung für Komponenten: Theme-Konfiguration kommt als native CSS Custom Properties an - schneller, robuster, kein PHP-SCSS-Compile bei Konfig-Änderungen mehr.
- Globales Event-System plus Intercepting Events: etwa Formulardaten vor dem Absenden manipulieren, statt komplette JS-Plugins zu überschreiben.
Für Plugin- und Theme-Entwickler ist die Ansage klar: Wer neue Elemente heute als Komponenten baut, baut sie schon so, wie das kommende Content-System sie erwartet.
Meine Einordnung: Was du jetzt tun solltest
Als Händler: Keine Panik und kein Stillstand. Erlebniswelten bleiben, die Systeme koexistieren. Aber wenn 2026/2027 ein Redesign oder Relaunch ansteht, gehört die Frage „bauen wir das noch klassisch oder warten wir auf das neue System?" in die Planung - die Antwort hängt vom Zeithorizont ab, und genau dafür lohnt eine ehrliche technische Beratung.
Als Entwickler: Komponenten jetzt lernen und für Neues verwenden, Bestehendes in Ruhe lassen. Die GitHub-Discussion und der Prototyp von Shopware sind öffentlich - wer die Richtung mitprägen will, hat gerade das offene Fenster dafür.
Als Skeptiker: Berechtigt. Shopware verspricht Koexistenz und „nichts bricht" - das Versprechen wird erst bei der Umsetzung bewiesen. Aber die Art der Einführung (Grundlage zuerst ausliefern, Community-Feedback vor Feature-Release, Kundenfeatures erst 2027) ist deutlich reifer als so mancher Umbruch der Vergangenheit. Das stimmt mich vorsichtig optimistisch.