Kurz gesagt: Shopware 6.7.11.0 (Release vom 16. Juni 2026) ist das interessanteste Storefront-Release seit Langem: ein neues Komponentensystem auf Basis von Twig UX Components, ein Vite-basierter Dev Server als Ersatz für composer watch:storefront, Theme-Konfiguration als native CSS Custom Properties und ein globales JavaScript-Event-System. Nichts davon zwingt dich sofort zum Umbau - aber wer jetzt neue Features baut, sollte sie auf der neuen Basis bauen.
Das neue Komponentensystem: Twig UX Components
Die klassische Shopware-Storefront lebt seit Jahren von verstreuten Template-Blöcken: Ein Feature liegt in einem Twig-Template, das dazugehörige SCSS woanders, das JavaScript wieder woanders. Mit 6.7.11 führt Shopware ein Komponentensystem auf Basis von Twig UX Components ein - inklusive SCSS- und JS-Handling direkt an der Komponente.
Das ist aus zwei Gründen bemerkenswert:
- Wiederverwendbarkeit: Eine Komponente kapselt Template, Styling und Verhalten an einem Ort. Das reduziert genau die Sorte Copy-Paste zwischen Templates, die in gewachsenen Themes später niemand mehr wartet.
- Die Richtung stimmt: Das Komponentensystem ist die technische Grundlage für das künftige Content-System. Wer heute komponentenbasiert baut, baut in die Richtung, in die Shopware sich bewegt - und die Komponenten sind ab sofort in bestehenden Templates nutzbar, kein Big Bang nötig.
Wichtig zur Einordnung: Das klassische Twig-Storefront-Setup ist damit nicht tot - im Gegenteil. Shopware investiert sichtbar in die Twig-Storefront, statt alles auf Headless zu setzen. Für die vielen Shops mit klassischem Theme ist das eine gute Nachricht.
Vite Dev Server: Schluss mit dem Proxy-Setup
Der zweite Alltagsgewinn: Ein neuer, Vite-basierter Dev Server ersetzt das bisherige composer watch:storefront (das damit deprecated ist):
composer storefront:dev-server
Änderungen an SCSS- und JavaScript-Dateien landen ohne zusätzlichen Proxy direkt im Browser. Wer sich je mit dem alten Watcher-Proxy, seinen Ports und seinen Eigenheiten herumgeärgert hat, weiß, wie viel Reibung das im Theme-Alltag entfernt.
Theme-Konfiguration als CSS Custom Properties
Theme-Konfigurationswerte stehen jetzt als native CSS-Variablen zur Verfügung:
.btn-primary {
background: var(--sw-color-brand-primary);
}
Alle Konfigurationsfelder ohne scss: false werden automatisch als Custom Properties bereitgestellt. Das ist der erste sichtbare Schritt weg von der PHP-basierten SCSS-Kompilierung: Visuelle Einstellungen lassen sich nutzen, ohne dass ein Theme-Compile dazwischen hängt. Mittelfristig heißt das schnellere Theme-Änderungen und weniger „Warum wird mein Style nicht übernommen?"-Momente.
Globales JavaScript-Event-System
Neu ist außerdem ein globales Event-System unter window.Shopware:
window.Shopware.emit('Filter:Change', { foo: 'bar' });
window.Shopware.on('Filter:Change', ({ foo }) => { /* ... */ });
Bisher waren Plugin-Events an Instanzen gebunden, was die Kommunikation zwischen Storefront-Plugins unnötig umständlich machte. Das globale System ist die sauberere Basis - und laut Shopware die Grundlage für künftige interceptable Events, etwa um Request-Parameter vor dem Absenden zu verändern.
Deprecations und Pflichten für Plugin-Entwickler
Was du auf dem Zettel haben solltest:
composer watch:storefrontist deprecated - Umstieg auf den neuen Dev Server.RegisterScheduleTaskMessageist deprecated - stattdessenTaskScheduler::registerTask()direkt aufrufen.- Vier Block-Namen in der Listing-Options-Konfiguration wurden umbenannt - Themes, die diese Blöcke überschreiben, sollten das prüfen.
pluginTranslationExists()weicht dem locale-bewusstenpluginTranslationExistsForLocale().theme.jsonunterstützt jetzt Einzeldatei-Referenzen fürstyleundscript- nützlich, um gezielt einzelne Dateien einzubinden statt ganzer Verzeichnisse.
Dazu kommen kleinere, aber praxisrelevante Verbesserungen: Plugin-Installationen werden jetzt in Abhängigkeitsreihenfolge ausgeführt, die Sync API bekommt sieben neue Foreign-Key-Resolver, und Mail-Templates lassen sich Sales-Channel-bewusst rendern.
Meine Einordnung
6.7.11 ist kein Release, das bestehende Themes bricht - aber eines, das die Richtung für die nächsten zwei Jahre vorgibt. Meine Empfehlung: Bestehendes nicht hektisch umbauen, aber ab jetzt jede neue Storefront-Funktionalität als Komponente entwickeln, den Vite Dev Server in den Alltag übernehmen und die Deprecations im nächsten regulären Wartungsfenster abräumen. Wer das jetzt nebenbei erledigt, hat beim nächsten Major-Sprung deutlich weniger Altlasten.