Kurz gesagt: Mit Shopware 6.7.10.0 (Release vom 6. Mai 2026) gibt es einen neuen, experimentellen Sales-Channel-Typ für Agentic Commerce: Produkte lassen sich als JSONL-Feed für KI-Plattformen bereitstellen, den Anfang macht die OpenAI-Anbindung. Bestellungen und Traffic aus KI-Plattformen werden über die vorhandene Affiliate-Infrastruktur getrackt. Das klingt nach einem Feature-Häkchen - tatsächlich ist es der Einstieg in einen Kanal, in dem nicht mehr Menschen durch deinen Shop klicken, sondern KI-Agenten deine Produktdaten lesen.

Was der neue Sales Channel konkret macht

Der Agentic-Commerce-Sales-Channel ist ein eigener Kanaltyp in Shopware, der als zentraler Einstiegspunkt für KI-getriebene Produktverteilung dient. Die Bausteine:

  • JSONL als drittes Exportformat: Neben CSV und XML unterstützt der Produktexport jetzt JSONL - das Format, das moderne KI-Commerce-Protokolle erwarten.
  • Plattformspezifische Feeds: Innerhalb des Kanals lassen sich dedizierte Feeds anlegen, den Start macht der OpenAI-Produktfeed mit Anbindung an das OpenAI Merchant Center. Weitere Anbieter sollen folgen.
  • Vorkonfiguriertes Feed-Template: Alle Pflichtfelder sind vorbelegt, ungültige Produkte werden automatisch ausgeschlossen, Sonderzeichen sauber behandelt.
  • Tracking über Affiliate-Infrastruktur: Bestellungen und Besucher aus KI-Plattformen laufen über die vorhandenen Affiliate-/Kampagnen-Felder - du siehst also, was der Kanal wirtschaftlich bringt.

Für Entwickler interessant: Mit dem AbstractAgenticCommerceProductExportProvider gibt es eine saubere Abstraktion, um eigene Export-Provider für weitere Plattformen zu implementieren. Und wichtig: Der Kanal ist als experimentell gekennzeichnet - mit Anpassungen in kommenden Releases ist zu rechnen.

Warum das mehr ist als „noch ein Feed"

Produktsuche findet nicht mehr nur bei Google statt. Immer mehr Kaufentscheidungen beginnen in ChatGPT, Copilot oder Perplexity - mit Fragen wie „Welches Produkt passt zu meinem Anwendungsfall?". Die Antwort gibt eine KI, die Produktdaten aus Feeds und Katalogen zieht.

Das verändert die Spielregeln: In der klassischen Suche konkurrierst du mit SEO, Anzeigen und Shop-UX. Im Agentic Commerce konkurriert deine Datenqualität. Eine KI klickt sich nicht durch deine Erlebniswelten - sie liest Titel, Beschreibung, Attribute, Preis und Verfügbarkeit. Was da nicht sauber drinsteht, existiert für den Kanal nicht.

Die eigentliche Aufgabe: deine Produktdaten

Der Sales Channel ist in einer Stunde eingerichtet. Die ehrliche Arbeit liegt davor:

  • Beschreibungen: Sind sie strukturiert und faktisch - oder Marketing-Prosa, aus der keine KI Eigenschaften extrahieren kann?
  • Varianten: Sind Größen, Farben und Ausführungen sauber als Varianten modelliert oder in Freitext versteckt?
  • Verfügbarkeit und Preise: Stimmen Lagerbestände und Preislogik im Export - auch bei Staffelpreisen und Aktionen?
  • Bilder: Liegen aussagekräftige Hauptbilder in brauchbarer Qualität vor?
  • Kategorien und Attribute: Sind Eigenschaften als strukturierte Daten gepflegt, nach denen ein Agent filtern kann?

Wer hier schon für den Google Merchant Center Feed sauber gearbeitet hat, ist klar im Vorteil: Es sind dieselben Hausaufgaben. Wer seine Produktdaten heute in Ordnung bringt, bedient damit Google Shopping, KI-Feeds und die eigene Shop-Suche gleichzeitig.

Was du jetzt tun solltest - und was nicht

Meine Einschätzung nach den ersten Tagen mit dem Release:

  1. Jetzt machen: Produktdatenqualität prüfen und den Feed testweise aufsetzen, wenn du auf 6.7.10.0 bist. Die Einstiegshürde ist niedrig, der Lerneffekt hoch.
  2. Beobachten: Der Kanal ist experimentell. Baue noch keine kritischen Prozesse darauf auf und rechne mit Änderungen an Feld- und Formatdetails.
  3. Nicht tun: Auf „das Thema kommt später" setzen. Die Händler, deren Daten heute sauber sind, werden zitiert und empfohlen, wenn die KI-Kanäle Volumen bekommen - alle anderen rüsten dann unter Zeitdruck nach.

Der Rest von 6.7.10.0 ist übrigens ein klassisches Stabilitäts-Release: rund 117 behobene Issues, vor allem in Checkout, Suche und Produktlisten. Auch das ein Grund, mit Updates nicht zu weit zurückzufallen.