Kurz gesagt: ChatGPT hilft mir jeden Tag, aber selten so, wie man es sich vorstellt. Ich lasse mir keinen fertigen Code für ein Kundenprojekt schreiben und spiele ihn ein. Am meisten bringt mir KI vor dem Code: beim Sortieren von Anforderungen, beim Einordnen von Fehlern, beim Erklären von fremdem Code und als zweite Meinung. Die Verantwortung für Architektur, Sicherheit und produktive Änderungen bleibt bei mir.

Die eigentliche Arbeit beginnt vor dem Code

Ein großer Teil der Entwicklung besteht aus Fragen: Was will der Kunde wirklich? Welche vorhandene Schnittstelle lässt sich nutzen? Welche Änderung betrifft andere Teile des Systems? Genau hier hilft mir ChatGPT. Ich lasse Anforderungen sortieren, Alternativen vergleichen und Prüfpunkte formulieren.

Gerade bei Shopware-Erweiterungen lohnt es sich, Datenmodell, Storefront, Administration und Versionskompatibilität früh auseinanderzuhalten. Wenn ich das Problem sauber beschreibe, mit Shopware-Version, PHP-Version, gewünschtem Verhalten und bekannten Einschränkungen, bekomme ich brauchbare Denkanstöße. Ohne diese Angaben bekomme ich Code, der nur auf den ersten Blick passt.

Wo KI mir wirklich hilft

  • Fehler einordnen: Logmeldungen und Fehlerbilder systematisch durchgehen, mögliche Ursachen sammeln und eine sinnvolle Reihenfolge für die Prüfung festlegen.
  • Fremden Code verstehen: Bestehenden PHP- oder Symfony-Code erklären lassen und mögliche Seiteneffekte herausarbeiten. Das spart vor allem bei alten, gewachsenen Projekten viel Zeit.
  • Testfälle sammeln: Welche Fälle muss ich bei einer Änderung bedenken? Leere Werte, fehlende Berechtigungen, mehrere Sprachen, ungewöhnliche Produktvarianten.
  • SQL und Migrationen durchdenken: Abfragen und Datenänderungen gedanklich durchspielen, bevor sie auf echte Daten treffen.
  • Kundenanfragen übersetzen: Aus einer formlosen E-Mail eine umsetzbare Aufgabenliste machen.
  • Zweite Meinung: Wenn mehrere technische Wege möglich sind, lasse ich mir Vor- und Nachteile gegenüberstellen und prüfe, ob ich etwas übersehen habe.

Wo es gefährlich wird

Ein Sprachmodell weiß nicht, welche Dateien auf einem Server liegen, welche Plugins einen Shop verändern oder welche Anpassungen ein Vorgänger gemacht hat. Es erfindet gelegentlich Methoden, verwechselt Shopware-Versionen oder unterschätzt die Folgen kleiner Eingriffe.

Das Tückische daran: Die Antworten klingen fast immer überzeugend. Ein gut formulierter Vorschlag ist aber noch keine belastbare Lösung. Typische Fallen:

  • Methoden oder Events, die es in der eingesetzten Shopware-Version nicht gibt
  • Lösungen, die den Shopware-Kern verändern statt ein Plugin zu nutzen
  • Sicherheitslücken, etwa ungeprüfte Eingaben oder fehlende Berechtigungsprüfungen
  • Datenbankabfragen, die mit Testdaten funktionieren, aber bei zehntausenden Artikeln einbrechen

Dazu kommt der Datenschutz. Bei Kundenprojekten prüfe ich vorher, welche Informationen überhaupt an einen Cloud-Dienst gehen dürfen. Zugangsdaten, Kundendaten und vertraulicher Code gehören nicht in einen Chat.

Ein Ablauf, der sich bewährt hat

  1. Problem beschreiben: so konkret wie möglich, mit Versionen, Ausgangslage und dem, was nicht verändert werden darf.
  2. Ursachen und Wege nennen lassen: nicht sofort einen großen Patch, sondern zuerst Hypothesen und Lösungsansätze.
  3. Selbst entscheiden: Welche Variante passt zur tatsächlichen Anwendung, zum Projekt und zum Budget?
  4. Umsetzen: in kleinen Schritten, nachvollziehbar und mit Versionskontrolle.
  5. Prüfen: Code-Review, Tests, Backup und möglichst eine Testumgebung, bevor etwas live geht.

Wie wichtig automatische Tests dabei sind, beschreibe ich in Unit Testing in PHP. Und warum Sicherheitsprüfungen nie fehlen dürfen, in Sicherheitslücken im PHP-Code vermeiden.

Und wenn die KI doch Code schreibt?

Für eigene Projekte lasse ich KI durchaus mehr machen. Wie ich mit Antigravity eine komplette Website gebaut habe, habe ich in Antigravity in der Praxis beschrieben. Der Unterschied: Dort trage ich das Risiko selbst und kann alles in Ruhe prüfen. Bei Kundenprojekten gilt ein strengerer Maßstab.

Fazit

KI macht mich vor allem bei Analyse, Recherche und Vorbereitung schneller. Sie ist ein hervorragender Sparringspartner, aber kein Ersatz für Erfahrung mit dem konkreten System. Verantwortung für Architektur, Sicherheit und produktive Änderungen bleibt beim Entwickler. Genau in dieser Kombination sehe ich den größten Nutzen.

Häufige Fragen

Kann ChatGPT ein Shopware-Plugin schreiben?

Es kann ein Grundgerüst und einzelne Bausteine erzeugen. Ob das Plugin zur eingesetzten Version passt, sicher ist und mit anderen Erweiterungen zusammenspielt, muss ein Entwickler prüfen und testen.

Spart KI bei der Entwicklung wirklich Zeit?

Ja, vor allem bei Fehlersuche, Einarbeitung in fremden Code und vorbereitenden Aufgaben. Wer KI-Code ungeprüft übernimmt, verliert die gesparte Zeit aber schnell wieder bei der Fehlersuche.

Darf ich Kundencode in ChatGPT einfügen?

Das hängt vom Vertrag mit dem Kunden und den Einstellungen des Dienstes ab. Kläre das vorher. Zugangsdaten und personenbezogene Daten gehören grundsätzlich nicht in einen Chat.