Kurz gesagt: KI-Coding-Assistenten wie Claude Code und OpenAI Codex sind in meinem Alltag als Shopware-Freelancer feste Partner geworden. Am stärksten sind sie bei Tests, Reviews, Sicherheitsprüfungen und Fleißarbeit. Ihre größte Schwäche: Sie melden Dinge als erledigt oder getestet, die es nicht sind. Deshalb gebe ich ihnen klare Regeln, lasse sie selbst im Browser prüfen und schaue mir jede Änderung an, bevor sie committet wird.

Mein Setup

Ich arbeite mit KI-Assistenten im Terminal und in der IDE, vor allem mit Claude Code und Codex. Die Shopware-Testumgebung läuft lokal in Docker. Geprüft und committet wird in PhpStorm, und zwar von mir. Die KI committet in meinen Projekten nichts selbst. So sehe ich jede Änderung im Diff, bevor sie ins Repository geht.

Die Regeln, an die sich die KI halten muss, stehen in einer Datei im Projekt. Für Shopware sind das unter anderem:

  • erst entscheiden, ob Plugin, App oder Theme die richtige Lösung ist
  • keine Änderungen am Shopware-Kern
  • Textbausteine immer auf Deutsch und Englisch
  • keine Inline-Styles, kein Inline-JavaScript und kein fest eingebauter Text in Twig
  • Geschäftslogik in Services, Datenbankzugriffe über die DAL statt über rohe SQL-Abfragen
  • Konfiguration als XML

Wo KI richtig gut ist

Testen wie ein echter Kunde

Für ein Plugin habe ich die KI Testbestellungen machen lassen, und zwar wie echte Kunden: mit mehreren Testpersonen, verschiedenen Produkten und Konfigurationen, durch den normalen Checkout. Dabei fiel ein Fehler auf, der in keinem Unit-Test aufgetaucht wäre: In der Administration waren bei Bestellungen plötzlich keine Positionen mehr zu sehen. Die Ursache war ein Template-Konflikt in der Administration, den die KI dann auch gefunden und behoben hat.

Sicherheitsprüfungen

Beim Testen mit eingeschränkten Admin-Rollen ist in einem Plugin, das ich betreue, einiges aufgefallen: Es fehlten Berechtigungen, eine API-Route gab einen Schlüssel an jeden angemeldeten API-Nutzer heraus, und ein Zugangs-Token wurde ohne Herkunftsprüfung an ein eingebettetes Fenster geschickt. Solche Lücken findet man nicht, wenn man nur als Administrator testet. Die KI hat die Rollen systematisch durchprobiert und die Fixes samt Tests umgesetzt.

Store-Prüfung und Kompatibilität

Bei der Einreichung eines Plugins im Shopware Store hat die automatische Prüfung eine fehlerhafte SVG-Datei bemängelt. Die KI hat das Problem gefunden und behoben. Genauso hilft sie dabei, Plugins gegen mehrere PHP- und Shopware-Versionen zu prüfen und die Kompatibilitätsangaben sauber zu pflegen.

Zweite Meinung zu KI-Code

In einem Shop-Projekt hatte ein KI-Assistent viel gebaut: neue Verkaufskanäle, Texte und Bilder. Vor dem Go-live habe ich einen zweiten Assistenten alles prüfen lassen. Er hat Fehler gefunden, die sonst live aufgefallen wären, und beim Go-live einen kritischen Datenbankfehler schnell auf die Ursache zurückgeführt. Zwei KI-Werkzeuge, die sich gegenseitig kontrollieren, sind erstaunlich wirkungsvoll.

Fleißarbeit

Changelogs, README-Dateien, Commit-Messages und sogar die Einträge für meine Zeiterfassung aus Git-Historie und Changelogs: Das erledigt die KI in Minuten. Ich prüfe und korrigiere nur noch.

Wo KI Fehler macht

„Getestet“ heißt nicht immer getestet

Der häufigste Fehler: Die KI meldet etwas als getestet, hat aber nur einen Teil geprüft. Einmal hieß es, die Administration sei getestet. Tatsächlich waren nur Daten über die Admin-API abgefragt worden, die Oberfläche hatte niemand geöffnet. Genau dort war aber der Fehler.

Meine Regel: „Getestet“ heißt, die Seite wirklich im Browser zu öffnen. Und in jedem Bericht muss stehen, was genau geprüft wurde: Oberfläche oder API, mit welchem Benutzer, welche Produkte.

Stückchenweise Korrekturen

Bei Frontend-Arbeiten ging es anfangs oft so: Ich finde einen Fehler, die KI behebt ihn, ich finde den nächsten. Das kostet jedes Mal eine Runde.

Meine Regel: Wenn ein Bereich nicht passt, wird der ganze Bereich gegen die Vorlage geprüft: Abstände, Breiten, Ausrichtung, Schriften. Und zwar mit Screenshots aus einem Headless-Browser, die sich die KI selbst ansieht, statt zu raten.

Änderungen außerhalb der Aufgabe

Einmal hat die KI beim Beheben eines kleinen Fehlers am Theme weitere Dinge verändert, und danach fehlten auf anderen Seiten Abstände und Elemente. Rückgängig machen war dank Git einfach, aber ärgerlich.

Meine Regel: kleine, klar abgegrenzte Aufgaben. Jede Änderung im Diff prüfen. Nichts committen, was ich nicht gesehen habe.

Selbstbewusst falsche Aussagen

KI-Assistenten behaupten manchmal Dinge über Software, die so nicht stimmen, etwa welche Voraussetzungen ein Programm hat. Deshalb gilt bei mir: Technische Behauptungen werden an der Dokumentation oder im Test geprüft, bevor ich darauf eine Entscheidung baue.

Zugangsdaten

KI-Assistenten nehmen sich gern, was gerade verfügbar ist, auch SSH-Schlüssel, die für etwas ganz anderes gedacht sind. Deshalb hat die KI bei mir einen eigenen, eingeschränkten Schlüssel und darf keine anderen verwenden.

Mein Fazit

KI macht mich spürbar schneller, vor allem bei Tests, Reviews und allem, was gründlich, aber eintönig ist. Sie ersetzt aber nicht die Verantwortung. Die liegt bei mir, und genau deshalb lasse ich die KI nichts ungeprüft ausliefern.

Wer KI in der Entwicklung einsetzt, sollte drei Dinge festlegen:

  1. Regeln: Was darf die KI, was nicht? Schriftlich, im Projekt.
  2. Prüfungen: Wie wird getestet, und wie wird berichtet, was getestet wurde?
  3. Freigabe: Wer schaut sich die Änderungen an, bevor sie live gehen?

Wie ich mit Antigravity eine komplette Website gebaut habe, liest du in Antigravity in der Praxis.

Häufige Fragen

Ersetzt KI den Entwickler?

Nein. Sie übernimmt viel Arbeit, aber jemand muss wissen, was richtig ist, die Ergebnisse prüfen und die Verantwortung tragen.

Welcher KI-Assistent ist der beste?

Das hängt von der Aufgabe ab. Ich nutze mehrere und lasse sie sich gegenseitig prüfen. Wichtiger als das Werkzeug sind klare Regeln und gute Tests.

Ist mein Code bei KI-Assistenten sicher?

Das hängt vom Anbieter und den Einstellungen ab. Bei Kundenprojekten kläre ich vorher, was erlaubt ist, und Zugangsdaten gehören nie in Prompts.