Headless Commerce gilt seit Jahren als Zukunft des E-Commerce. Flexibilität, Performance und Omnichannel-Fähigkeit werden oft als Argumente genannt.
In der Praxis zeigt sich jedoch:
Nicht jeder Shop profitiert von Headless – viele zahlen dafür einen hohen Preis.
Dieser Artikel hilft dir, eine realistische Entscheidung zu treffen:
- klassisches Shopware vs. Hybrid vs. Full Headless
- reale Kosten und Komplexität
- typische Fehlentscheidungen aus echten Projekten
Was bedeutet „Headless“ in Shopware überhaupt?
Shopware ist von Haus aus API-first aufgebaut. Das bedeutet:
- Storefront und Backend sind getrennt
- alle relevanten Funktionen sind per API erreichbar
Headless bedeutet nicht automatisch „besser“, sondern vor allem: mehr Verantwortung beim Projekt.
Klassisch, Hybrid oder Full Headless – die drei Modelle
1. Klassisches Shopware (Monolith)
Das klassische Setup:
- Shopware Storefront (Twig)
- Backend + Frontend aus einer Hand
Vorteile:
- schnell umsetzbar
- geringere Kosten
- viele Plugins sofort nutzbar
- SEO & Checkout out of the box
Nachteile:
- begrenzte Frontend-Flexibilität
- weniger geeignet für sehr individuelle UX
👉 Ideal für 90 % der Shops.
2. Hybrid-Ansatz (empfohlen in vielen Projekten)
Hybrid bedeutet:
- Shopware Storefront bleibt Basis
- zusätzliche Touchpoints per API (z. B. App, POS, Content-Frontend)
Vorteile:
- Flexibilität ohne Komplett-Neubau
- bestehende Plugins weiter nutzbar
- überschaubare Mehrkosten
Nachteile:
- Architektur muss sauber geplant sein
- klare Zuständigkeiten nötig
👉 Oft der beste Kompromiss.
3. Full Headless
Beim Full-Headless-Ansatz:
- kein Shopware-Storefront
- Frontend komplett selbst gebaut (z. B. React, Vue, Next.js)
Vorteile:
- maximale Freiheit im Frontend
- sehr individuelle User Experience
- gut für komplexe Omnichannel-Setups
Nachteile:
- hohe Entwicklungs- und Wartungskosten
- SEO, Checkout, Performance müssen selbst gelöst werden
- viele Plugins nicht direkt nutzbar
👉 Sinnvoll nur bei klaren, starken Anforderungen.
Kosten & Komplexität: die oft unterschätzte Realität
1. Entwicklungskosten
Full Headless bedeutet:
- eigenes Frontend-Team
- eigene SEO-Logik
- eigene Performance-Optimierung
Was im klassischen Setup „inklusive“ ist, muss headless neu gebaut werden.
2. Wartung & Weiterentwicklung
Headless-Projekte sind keine Einmalinvestition.
- API-Änderungen
- Frontend-Framework-Updates
- neue Shopware-Versionen
Die laufenden Kosten sind oft höher als erwartet.
3. Plugin-Kompatibilität
Viele Shopware-Plugins:
- setzen die Storefront voraus
- liefern Logik + UI gemeinsam
Im Full-Headless-Setup muss diese Logik häufig neu implementiert werden.
Typische Fehlentscheidungen aus der Praxis
❌ Headless „weil man es so macht“
Headless ist kein Qualitätsmerkmal.
Wer ohne klare Anforderungen startet, landet oft bei:
- höheren Kosten
- längeren Projektlaufzeiten
- geringerem ROI
❌ Unterschätztes SEO
SEO im Headless-Setup ist kein Selbstläufer.
- Indexierung
- Rendering
- Meta-Daten
All das muss aktiv gelöst werden.
❌ Fehlende Trennung von Verantwortung
Headless braucht klare Zuständigkeiten:
- wer ist für Frontend zuständig?
- wer für API-Logik?
- wer für Performance?
Wann Headless mit Shopware wirklich Sinn macht
- sehr individuelle UX-Anforderungen
- komplexe Omnichannel-Szenarien
- große Entwicklungsteams
- langfristige technische Roadmap
Wann man besser darauf verzichtet
- klassische B2C- oder B2B-Shops
- begrenztes Budget
- starker Plugin-Einsatz
- SEO als Haupttraffic-Quelle
Fazit
Headless mit Shopware ist ein starkes Werkzeug – aber kein Standard-Setup.
In vielen Projekten ist:
- klassisches Shopware
- oder ein Hybrid-Ansatz
die bessere, wirtschaftlichere Lösung.
Mein Ansatz
Ich arbeite Shopware-only und berate nicht pro Technologie, sondern pro Projekt.
- klassisch, hybrid oder headless
- immer mit Blick auf Kosten, Wartung & ROI
Wenn du unsicher bist, welcher Ansatz für deinen Shop sinnvoll ist, lass uns darüber sprechen – bevor unnötige Komplexität entsteht.